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GEIGENBAUWERKSTATT

"Ein kleiner und bescheidener Ort der Ruhe"

Und das ist meine Werkstatt tatsächlich. Zwar mitten in der Stadt, mit viel Tumult und Verkehr, dennoch aber eine Insel.

Meine kleine persönliche Insel, um dem Alltag zu entfliehen und Ruhe wie Inspiration zu finden. Der Raum befindet sich im Souterrain, hat genug Platz für zwei Werkbänke und all mein angesammeltes Holz. Die räumliche Lage hat den großen Vorteil, das ich Temperaturen und Luftfeuchtigkeit für das Holz und die entstehenden Instrumente besser regeln kann (als beispielsweise auf einem Dachgeschoss).

Über die letzten zwölf Jahre hat sich doch einiges angesammelt. Aber alles was eben notwendig ist. Werkzeuge für den Geigenbau, von allen Hölzern eine ausreichende Auswahl, um schöne und inspirativ zusammengestellte Instrumente zu bauen. Allerdings, bei aller Inspiration achte ich stehts auf die Grundregeln des tratitionellen Geigenbau.

Das spiegelt sich auch in meinen Werkzeugen wieder. Ich lege großen Wert darauf, alles händisch und ohne "moderne" Maschinen zu fertigen. Schmirgelpapier gibt es zwar, findet aber im Geigenbau keine Verwendung. Wenn ich Werkzeuge/Hilfsmittel baue, dann ja. Ansonsten halte ich mich an die alten Lehrmeister, welche alles mit Hobel und Ziehklinge gefertigt haben. So wie es viele Geigenbauer heute noch tun. Mir ist es eben wichtig, den alten Spirit zu leben. Ein angenehmer Kontrast zu unserer "Hochgeschwindigkeitswelt" heute.

Meine Lacke und Farben (Beizen) stelle ich selbst her. Zumeist ist es Spirituslack, meine eigenen Rezepte. Es war kein einfacher Weg, in die absolute Analogie zu kommen. Sich soviel Grundwissen raufzuschaufeln, dass ein erfolgreiches Experimentieren möglich war. Aber das ist eine andere Geschichte. Die erzähle ich eventuell später als Audiopodcast.

Und der erste Handgriff, wenn ich meine Werkstatt betrete - NDR Kultur im Radio anschalten. Ich brauche das einfach. Ohne klassische Musik - nö.

Der zweite Handgriff ist dann zumeist, meinen selbst gebauten Leimkocher anzuschalten. Sich schon drauf zu freuen, dass sich in kürze der Duft von warmen Knochenleim im Raum verteilt.


Seit ich begonnen habe mit dem Geigenbau sind sieben neue Instrumente entstanden, zwölf Bögen überholt und neu behaart worden. Acht Violinen und Celli wurden einer Revision und Reparatur unterzogen. Zumeist Risse in der Decke, der Zargen oder Auslösungen an den Randeinlagen. Bassbalkenwechsel, Griffbretter nacharbeiten oder Wirbelkästen anschäften. All diese Arbeiten waren wunderbare Aufgaben. Jeder Arbeitsschritt eine neue Erfahrung. Nichts ist gleich, auch wenn es oberflächlich erscheinen mag. Das macht die Arbeit an den Instrumenten so interessant und abwechslungsreich.