Wirbelschneider/Konus herstellen

Hobel, Stechbeitel und Ziehklingen etc
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Zederndehner
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Wirbelschneider/Konus herstellen

Beitrag von Zederndehner » Di 13. Nov 2018, 17:57

Der Konusschneider

In folgendem kleinen Bericht möchte ich gerne einmal die Werkzeuge vorstellen, mit denen konische Stechverbindungen oder Saitenwirbel für Saiteninstrumente sehr leicht herzustellen sind.

In folgendem Beispiel an einer Violine/Wirbel.
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Wirbelschneider1.jpg
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Wirbelschneider4.jpg
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Der Master

Das Werkzeug welches das Verhältnis des Konus vorgibt ist die Reibahle. Diese hat bauartbedingt einen festen Konus. Es gibt diese "Wirbelreibahlen" für viele verschiedene Größen. Wenn man Saiteninstrumente quer Beet baut/repariert, empfiehlt es sich die gängigsten Größen zu besitzen.

Quelle für Reibahlen: Dictum

In der Regel halten diese Reibahlen sehr lange und haben bei sinngemäßer Handhabung eine lange Standzeit. Zwar sind es in der Anschaffung nicht die günstigsten Werkzeuge, aber wie gesagt, in der Regel hat man sie lebenslang.

Um eine konische Verbindung zu erstellen, muss natürlich erst das Grundloch gebohrt werden. Es sollte vom Durchmesser genau so weit gebohrt werden, das die Reibahle bis zum Ansatz beider Löcher (in diesem Fall der Wirbelkasten) eintaucht. Nun kann das Loch konisch aufgeweitet werden.

Der Wirbelschneider

Ich empfehle hier den Wirbelschneider von der US Firma Juzek.
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Wirbelschneider2.jpg
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Wirbelschneider3.jpg
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Link zum Artikel: Juzek Peg Shaver

Diesen Wirbelschneider möchte ich einmal genauer erklären.
Er hat einen entscheidenden Vorteil. Er läßt sich dynamisch an verschiedene Konen einstellen und ist somit geeignet für fast alle Größen innerhalb eines Spektrumes. Im Prinzip funktioniert er wie ein Bleistiftspitzer und hobelt mit einer sehr scharfen Klinge (C) im festen Anstellwinkel, das Material vom Holz ab.
Die Kraft welche auf den Wirbel und die Klinge wirkt, wird mit der Stellschraube (B) eingestellt.
Der Winkel welcher angepasst werden soll kann mittel Reibahle (wieder als Master) über die Arretierung (A) eingestellt werden.
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Wirbelschneider5.jpg
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Ist das Einstellmaß zur Reibahle eingestellt, kann der Wirbel/das Holz sehr leicht in die Drehtasche eingelegt werden und durch Drehen mit der Hand langsam bearbeitet werden. Durch das Nachdrehen der Stellschraube (B) wird allerdings nicht vorrangig der Schneiddruck eingestellt, sondern viel mehr durch die Höhenbegrenzung die Einstauchtiefe des Konus. Sonst läuft man schnell Gefahr, zum Ende hin zuviel abzunehmen und das Werkstück zu zerstören. Auch kann bei zuviel Druck die Klinge in das Holz einfressen und der Wirbel/Holz würde brechen.
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Wirbelschneider6.jpg
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Mit etwas Übung hat man den Bogen aber schnell raus und kann somit alle möglichen Dinge bearbeiten. Ob Wirbel, Endknöpfe oder Verbindungen, Achsen für Potiknöpfe usw... da ist dem Einfallsreichtum kaum eine Grenze gesetzt. Auch konnte ich durch konische Verbindungen das eine oder andere Jig bauen, in Bezug auf Zentrierung.

Also, nicht nur für die barocke Saiteninstrumentenbaufraktion interessant.

Tipp:

Wenn man wieder lösbare Verbindungen mit einem hohen Halt und einer guten Einstellbarkeit haben möchte, empfiehlt es sich die Steckstücke/Wirbel mit Seife und Kreide einzumanteln. Die Seife sorgt für die Lösbarkeit der Verbindung und die Kreide für die Hemmung, das entsprechende Drehmomente von Saitenzug etc aufgenommen werden können.

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