Grundlagen Lacke und Oberflächenbeschichtungen

Nitro, 2K oder Schellack?
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Zederndehner
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Grundlagen Lacke und Oberflächenbeschichtungen

Beitrag von Zederndehner » Sa 26. Jan 2019, 09:51

Lacke und Oberflächenbeschichtungen

Das Thema Lacke und Oberflächenbeschichtung sowie Holzversiegelung/Holzschutz ist ein sehr komplexes Thema. Wir wollen uns hier einmal auf die gängisten Methoden/Verfahren beschränken.


1)- Die Vorbereitung und Grundierung

Je nach dem mit welcher Methode ein Instrument lackiert werden soll, gibt es Vorbereitungen zu treffen. Das hängt zum großen Teil auch von der Holzart ab, welche ich nachher wie versiegeln möchte.
Möchte ich nur einen einfachen Schutz auftragen, in Verbindung einer edlen Optik, bietet sich das Ölen an. Oder doch eine deckende Hochglanzlackierung?
Fangen wir mit den allgemeinen Prozessen an.
Wenn alle Teile des Instrumentes fertig sind werden sie zuerst ganz genau auf Bearbeitungsspuren untersucht. Diese müssen entfernt werden. Denn in tieferen Kratzern und Schleifspuren können sich so später Farbpigmente ansammeln, welche dann sehr deutlich aus dem Lackbild hervortreten. Das sieht meist nicht schön aus und lenkt das Auge weg von den eigentlichen Highlights des Instrumentes.
Je nach Lackiermethode ist es notwendig das Holz gut zu wässern, zu schleifen, wieder zu wässern und wieder zu schleifen. Bis die Oberfläche keine aufstehenden Holzfasern mehr aufweist. Dabei darf die Oberfläche aber auch nicht zu fein geschliffen werden, da sonst der Schleifstaub die Poren versiegelt und ein Eindringen von Beize/Lack verhindert wird. In der Regel reicht ein Endschliff von 240 - 400 Körnung.
Wenn die Oberfläche soweit hergestellt ist, kann mit der Grundierung begonnen werden. Wir listen hier einmal verschieden Methoden auf.

Grundieren mit Gelantine

Die Gelantinegrundierung ist eine der ältesten Methoden, ein Holz zu versiegeln. Gelantine wird aus den tierischen Bestandteilen von Sehnen, Knochen und Haut gewonnen. Sie ist etwas unedler als ihr Verwandter, der Knochenleim.
Sie kann in Pulverform in warmen Wasser aufgelöst und angedickt werden. Meist reicht die Gelantine aus dem Lebensmittelhandel. Es gibt aber auch technische Gelantine. Der Unterschied ist nur, das technische Gelantine nicht für den Verzehr zugelassen ist, da sie nicht unter Lebensmittelbedingungen hergestellt wurde.
Wenn die Gelantine nun aufgelöst und aufgequollen ist, sollte sie die Konsistenz von sehr dickem Öl haben. Diese kann nun mit einem Feinhaarpinsel auf das Instrument aufgetragen werden. Dabei ist es wichtig zügig zu arbeiten, denn sie kühlt sehr schnell aus auf Oberflächen und wird fest.
Grobe Überstände sollten mit dem Pinsel direkt aufgenommen werden.
Angestrichen wird sie solange, bis alles Holz sättigend aufgenommen hat. Das erkennt man daran, das keine Gelantine mehr vom Pinsel in das Holz übergeht.
Nun läßt man die grundierten Teile 24h trocknen.
Nach dem Trocknen, wird mit einem feinen und abgenutzten Schmirgel der restliche und angetrockene Überstand weggenommen. Solange bis die Oberfläche gleichmäßig schön ist und die "Anfeuerung" des Holzes ebenfalls gleichmäßig ist. Bei offenporigen Hölzern wie etwa Mahagoni oder Esche muss der Vorgang solange wiederholt werden, bis die Poren verschlossen sind.
Dann ist sie schon fertig und bereit für den nächsten Schritt - das Fixieren.

Das Fixieren

Je nachdem ob das Instrument gefärbt werden soll, muss man die Grundierung fixieren. Das kann mit einer einfachen Schicht Schellack geschehen.
Schellack hat die Eigenschaft, das Feuer (Flammen/Riegel) noch mehr hervorzuholen und die Gelantinegrundierung zu schützen.
Wer sein Instrument färben möchte, mit einer Wasserbeize, sollte die Färbung vor der Fixierung durchführen.
Es kann aber auch mit Spiritusbeize gearbeitet werden, da ist es angemessen nach der Fixierung die Farbe aufzutragen.
Eine Schellackfixierung sollte vor den weiteren Arbeitsschritten mindestens 48h trocknen.

In folgendem Videotutorial wird die Gelantinegrundierung anhand einer Violine einmal demonstriert:
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Das Grundieren für Nitro/2K-Lacke

Möchte man sein Instrument mit PU/Nitro oder anderen Kunstharzlacken versiegeln, dann rät es sich auch hier eine Grundierung durchzuführen.
Dafür bietet der Markt eine schier unüberschaubare Vielfalt an Produkten an. Von Holzpaste über Tiefengrund oder nitrobasierende Grundlacke sind hier verwendbar.
Nur muss man hier eben sehen, welche Herstellerangaben es gibt und wie die unterschiedlichen Stoffe miteinander reagiern.
Bei falscher Kombination kann es zu trüben oder auflösenden Ereignissen kommen.
Auch ist hier wieder wichtig, bei offenporigen Hölzern zu versiegeln, da sonst die einzelnen Lackschichten in die Poren "einsacken" und die Oberfläche uneben und ungleich wird.
Grobporiges Holz kann hier statt mit Gelantine auch mittels einem Gemisch aus Bimsmehl und Leim verschlossen werden. Nach der Verschlussfüllung muss das Holz allerdings nochmal glatt geschliffen werden. Aber vorsicht, wer nachher noch mit Wasserbeize färben will, sollte dies vor dem Verschluss machen, denn Dispersionsleime zB nehmen keine Wasserbeize auf und die Oberfläche würde fleckig werden.
Prinzipiell empfiehlt es sich immer, bei einer unbekannten Anwendung, ein Probeholz zu lackieren, um Fehler auf dem Instrument zu vermeiden.


2)- Lackieren mit alkohollöslichen Lacken


Alkohollösliche Lacke oder auch Spirituslacke, sind aus der alten Instrumentenbautratition. Manche Rezepte für solche Lacke sind teils mehrere Hundert Jahre alt.
Sie bestehen in der Regel aus natürlichen Harzen wie etwa Sandarak, Mastix oder Schellack.
Diese Lacke habe den wesentlichen Vorteil der absoluten Brillanz und Reparaturfreundlichkeit. Vereinfachend kommt ihre Bearbeitung hinzu. Sie können aufpoliert oder gestrichen werden.
Ein Nachteil ist ihre Empfindlichkeit auf äussere Einflüsse. Sie sind nicht so mechanisch belastbar wie vergleichsweise Kunstharzlacke.
Ein weiterer Vorteil hingegen ist, sie können hauchdünn aufgetragen werden, nehmen so kaum Einfluß auf das Schwingungsverhalten des Holzes und sind ohne großen technischen Aufwand aufzutragen.
Hinzu kommt, das man aus den Grundharzen quasi jede erdenkliche Qualität selbst mischen kann und somit die Eigenschaften an das Instrument anpasst.
Wie eine Schellackpolitur durchgeführt wird, zeigt folgendes Videotutorial:
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Fortsetzung folgt...

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