Ratgeber Schellack

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Zederndehner
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Ratgeber Schellack

Beitrag von Zederndehner » Mo 28. Jan 2019, 16:44

In der Einführung über Lacke, habe ich die Grundierarbeiten beschrieben und auch den alkohollöslichen Lack erwähnt.

Link:Grundlagen Lacke und Oberflächen

In diesem kleinen Ratgeber möchte ich die Herangehensweise von der Herstellung und Verarbeitung von Schellacke, beschreiben.

Schellacke werden aus natürlichen Harzen angesetzt.

Das Harz kommt in der Regel aus Indien und Thailand. Für die Produktion ist die Schildlausgattung "Kerria lacca" verantwortlich welche das Harz durch ihre Ausscheidungen abgibt. Es sammelt sich an Ästen und Blättern der Pflanzen, auf welchem die Laus verweilt. Für 1Kilo Harz sind ca 300.000 Läuse notwendig.
Meist wird er als Stocklack (getrocknet) zur Weiterverarbeitung nach der Trocknung als Rohware gehandelt.
Nach dem Aussortieren und dem Befreien von Ästen und Pflanzenteilen wird er zumeist gebleicht/entwachst und zu Blätter/Stangenware weiterverarbeitet.
Bei uns kommt er dann in den unterschiedlichsten Gebinden auf den Markt. Hinzu kann er fertig gelöst, als Blätterware, Stangenware, in jeglichen Farben und Qualitäten erworben werden. Auch als gänzlich gebleichter Klarlack.

Eine sehr gute Bezugsquelle für Spirituslacke/Harze findet Ihr hier: Hammerl Geigenlacke

Als Rohform ist Schellack ein sehr hartes Harz und sollte nicht pur weiterverarbeitet werden. Durch seine Härte ist er zu spröde in seiner Beschaffenheit. Lackabplatzer wären vorprogrammiert.
Deswegen ist es ratsam, dem rohen Lack etwas weichere Harze hinzuzugeben. In Frage kämen zu einem Mischungsverhältnis von 1:4

- Mastix
- Sandarac
- Benzoe

Diese weicheren Harze bringen eine gewisse Elastizität in den Lack, ohne ihn aber zu sehr in seiner mechanischen Belastbarkeit einzuschränken.
Auch haben Mastix und Benzoe den willkommenen Nebeneffekt, dem Lack noch etwas mehr "Feuer" zu geben und somit eine diffuse Brillanz zu verleihen, welche mit Kunstharzlacken nicht so einfach zu erreichen ist.
Die "Weichmacher" kann man natürlich auch ganz nach seinem eigenen Anspruch mischen, solange die Menge von 1Teil zu 4Teile Schellack nicht überschritten wird.

Um Schellack anzusetzen, wenn man ihn als Bruch/Blätter/Stangenware aufbereiten will, nimmt man zu einem Liter Spiritus ~400gr Harz.
Das Harz gibt man in ein Gefäß welches in einem warmen Wasserbad verweilt und löst langsam unter Rühren den Lack auf.
Wenn der Lack gänzlich gelöst ist, kann man die "Weichmacherharze" welche vorher in einem Mörser pulverisiert wurden, hinzu geben. Es empfiehlt sich die Temperatur im Wasserbad nun etwas anzuheben, bis ca 55°.
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Harz2.jpg
Harze Roh
Harz4.jpg
Harze feingemörsert
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Wenn auch diese Harze sich vollständig gelöst haben, wird der Lack zum Abkühlen und Ruhen luftdicht verschlossen und beiseite gestellt. Nach ca. einer Woche haben sich die Reste von Wachs und Unreinheiten am Boden abgesetzt. Je nach Qualität des Ausgangsmaterials kann dieser Vorgang aber auch einige Wochen dauern.
Das der Vorgang abgeschlossen ist sieht man daran, das es nun zwei scharf getrennte Schichten im Glas gibt. Das wäre der Zeitpunkt den Lack umzufüllen und in sein dafür vorgesehenes Gefäß zu geben.
Es darf auf keinen Fall das Wachs aus der unteren Schicht in den Aufbewahrungsbehälter mit übergehen. Wachs trübt unser Lackbild ein und macht den Lack weich und anfällig auf "blind" zu werden.
Sicherheitshalber filtert man beim Umfüllvorgang über eine Kaffeefiltertüte oder ein Lackiersieb.
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Filtern.jpg
Abfiltern
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Nun ist der Lack bereit für den Auftrag. Er kann klassisch per Ballen poliert werden, leicht verdünnt auch gespritzt oder mit einem Feinhaarpinsel gestrichen werden.
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Ui.jpg
Fertige Hochglanzoberfläche/poliert
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Der Schellack findet noch in vielen anderen Anwendungen und Lackrezepten seinen Einsatz. Diese werde ich dann in den jeweiligen Rubriken näher ausführen.

Das Tutorial über das Polieren/praktische Anwendung findet Ihr im oben erwähnten/verlinkten Beitrag.

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