Öle für Lacke/Zutat

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Zederndehner
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Öle für Lacke/Zutat

Beitrag von Zederndehner » Di 29. Jan 2019, 16:54

Im Ratgeber "Schellack" habe ich den Grundlack beschrieben.

Link: Ratgeber Schellack

Für alle Spirituslacke gibt es eine Feinheit zu beachten. Die Öle.
Ehe ich einen Artikel mit weiteren Rezepten zur Herstellung von Lacken schreibe, wollte ich hier einmal auf die Öle als Zutat eingehen.
Mit den richtigen Ölen kann der Lack um ein vielfaches an Eigenschaften gewinnen und insgesamt ist es wichtig zu wissen, was für Öle in dem Segment eine Rolle spielen können. In diesem Artikel erwähne ich die Öle, welche ich selbst einsetze.

Paraffinöl

Dieses Öl spielt für die Grundzutat eines Lackes eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch beginne ich mit diesem Öl, da es beim Auftrag von Spirituslacken einen wesentlichen Teil einnehmen kann.
Paraffinöl wird über die Verschnittung von Erdöl in der Destillationsphase gewonnen. Im weiteren Raffinationsprozess wird das Paraffinwachs gewonnen, welches auch als Weißölbestandteil bezeichnet wird. Aus diesem reinen Produkt wird dann das bekannten Kerzenwachs und Vaseline hergestellt.

Paraffin ist unlöslich in Wasser und bildet auf Flächen einen schützenden wie wasserabweisenden Film. Es wirkt elektrisch isolierend und ist entflammbar. Durch seine Eigenschaft, von Alkohole gelöst werden zu können, ist es für Spirituslacke sehr gut als Poliermittelzusatz geeignet.
Paraffin ist für Mensch und Umwelt als ungefährlich eingestuft und findet auch in der Kosmetikindustrie Einsatz. Die Verbrennungsrückstände, bei Kerzen etc., verbleibt ein Ausstoß an Stickoxyden, welche aufgenommen werden können.
Bei Einsatz als Polieröl jedoch, treten keine Verbindungen auf, welche sich mit der Atemluft binden könnten. Längerer Hautkontakt kann zu temporärem Austrocknen führen, bei entsprechend hohen Mengen. Bei empfindlicher Haut ist es ratsam Schutzhandschuhe zu tragen.

Als Gleitmittel/Polieröl bei der Ballenpolitur aber das am besten geeignete Öl.

Leinöl

Leinöl spielt bei klassischen Spirituslacken keine bedeutsame Rolle. Es wird vorwieglich als Ölgrundstoff bei Öllacken verwendet. Dem im Wasserbad erhitzten Leinöl werden Terpentinöl und Harze zugegeben (Sandarac/Copal).
Dadurch das Leinöl aufgrund seiner hohen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren selbstaushärtend ist, bildet es eine hervorragende Grundlage zur Herstellung von festen Lacküberzügen.
Der Nachteil von Leinöl ist die hohe Selbstentzündlichkeit. So können kontaminierte Lappen, Pinsel usw sich mit dem Luftsauerstoff selbst entzünden, was leider nicht wenig vorkommt. Getränkte Gegenstände müssen zum gefahrlosen Abtrocknen ins Freie gebracht werden oder kontrolliert abgebrannt werden. Ein luftdichtes Verschließen ist auch möglich.
Erwähnt werden soll Leinöl dennoch in diesem Teil. Denn als Grundierung für geflammtes Holz ist es unschlagbar in der Wirkung von der Hervorhebung des "3D-Effektes". Bis heute wird die Leinöl/Leinölfirnisgrundierung gelehrt und weitergegeben. Nach einem Grundieranstrich muss das Holz allerdings bis zu einem Jahr vollständig durchtrocknen.

Rosmarinöl

Rosmarinöl wird aus der eigentlichen Pflanze gewonnen. Sie wächst als stetiggrüner Halbstrauch, der Familie der Lippenblütler.
Das Öl ist als reine Form in Alkohol (Spiritus) als auch in Terpentinöl lösbar. Zudem hat es die Eigenschaft lösend auf Harze zu reagieren.
Somit kann die Lösbarkeit von in Alkohol träge lösbaren Harze (Weihrauch zb) um ein vielfaches gesteigert werden, was sich positiv auf die Qualität des Lackes auswirkt.
Zudem verbessert es die "Fließfähigkeit" von Lacken allgemein, was den Pinselauftrag erleichtert. Durch das Anheben der Fließfähigkeit, erhält man automatisch ein gleichmäßigeres und homogenes Lackbild.

Rizinusöl

Rizinusöl wird aus der Pflanze der Wolfsmilchgewächse gewonnen, genauer aus dessen Früchten/Samen.
Für den Spirituslack ist es eine "Weichmacherzutat". Man kann also dem puren Schellack eine kleine Menge an Rizinusöl hinzugeben um die Elastizität des Lackes zu verbessern. Rizinusöl löst sich in Spiritus vollständig.
Weiter hat es den Vorteil, das es das Lackbild geschmeidiger und glänzender macht. In einem Mischungsverhältnis von Schellack, Benzoe und Rizinusöl kann man also ein Höchstmaß an Hochglanz und tiefem Glow erwarten.

Allgemeines zu Ölen

In der frühen Zeit des Geigenbau sprach man in den Rezepten vom Firnis aus dem Geist. Gemeint war der Weingeist, der Alkohol. Auch Spiritus genannt. Als Destillat.

Spiritus - der Geist, der Atem.

Alkohol ist ein Lösungsmittel. Die wahre Seele eines guten Lackes wohnt allerdings in seinem Bestandteil an reinsten Ölen. Denn der Alkohol wird verdunsten im Trocknungsprozess, das Öl wird das Lackbild über die Jahre prägen.

Vielleicht deswegen ein Thema, welches gar nicht so unbedeutend ist und entsprechende Beachtung verdient.

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