Klassische Violine Restauration

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Zederndehner
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Klassische Violine Restauration

Beitrag von Zederndehner » So 2. Sep 2018, 17:18

Violine Restauration (verm. Klingental u. 1850)

Das Instrument kam ohne Hals und diversen Schäden an Decke, Zargen und Reifchen (Ablösung) zu mir.

Es gab zu dieser Violine keine Informationen, weder eine Geschichte noch ein Zettel im Instrument. Zwar war erkenntlich, das ursprünglich ein Zettel eingeleimt war, dieser fehlte jedoch.
Es musste also recherchiert werden, um was für ein Instrument es sich handelt. Denn es sollte wieder ein Hals ran und alle Arbeiten nach dem ursprünglichen Vorbild durchgeführt werden.

Die Recherche endete nach einem Jahr bei dem Ergebnis, das es sich um eine Manufakturgeige aus Klingental um 1850 handelt.

Die Reparaturarbeiten konnten also losgehen. Ein Hals fertigen, welcher in Holz und Eigenschaft zu dem Instrument passt, sowie alle anderen Arbeiten durchführen und final das Lackbild wieder herstellen.
Hierfür musste die Violine einmal komplett zerlegt werden um die Leimungen mit frischen Knochenleim zu ersetzen.

Hier die Bilder von dem fertigen und eingestimmten Instrument. Mittlerweile ist sie wieder bei ihrem Besitzer, welcher große Freude an ihr hat.
fert1.JPG
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fert2.JPG
fert2.JPG (71.03 KiB) 245 mal betrachtet
fert3.JPG
fert3.JPG (71.25 KiB) 245 mal betrachtet
fert4.JPG
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Zederndehner
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Re: Klassische Violine Restauration

Beitrag von Zederndehner » So 2. Sep 2018, 17:20

Und die restlichen Bilder:
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fert13.JPG
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fert14.JPG
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Re: Klassische Violine Restauration

Beitrag von glambfmbasdler » Mi 14. Nov 2018, 12:07

Schöne Arbeit Tim!
Und gleich drei Fragen:
- Warum musst du so genau wissen, wo und wann die Geige hergestellt wurde?
- warum ist der Hals bis zum Wirbelkasten ungebeizt/unlackiert?
- wie lang hängst du an so einer Restauration dran?

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Re: Klassische Violine Restauration

Beitrag von Zederndehner » Mi 14. Nov 2018, 13:55

Hallo Eduard,

die Geschichte ist bei Geigen für sehr viele Eigner von fundamentaler Bedeutung. Sie möchten gerne die Geschichte zu dem Instrument haben. Das schafft einen ideellen Wert. Zudem der Wert durch einen Herkunftsnachweis steigt.
Zwar nur von Handwerksmeistern aber in diesem Fall auch für mich um die passenden Hölzer, Maße und Lacke ermitteln zu können. Nur so kann das Instrument in seinen ursprünglichen Zustand wieder hergestellt werden.
Dabei spielen oft übersehene Details eine tragende Rolle.

Die fehlende Farbe am Griffbereich vom Hals macht man in der Regel so. Weil sich der Naturharzlack/Beize(aus Naturfarbstoffen) sonst abgreifen würde. Das sähe nicht schön und gepflegt aus. Deshalb ist es Gang und Gäbe es erst garnicht zu lackieren sondern das Holz durch farblosen Lack oder Öl zu schützen. Das es nicht schwarz wird über die Jahre.
Einer der vielen Gründe warum ein Streichinstrument einmal im Jahr zum Geigenbauer sollte, um eine Wartung zu bekommen. Da kann dann die Schutzschicht mit behandelt werden.

An dieser Reparatur habe ich nur für den handwerklichen Teil: Hals/Schnecke anfertigen, Zerlegen und Zusammenbau, Risse versorgen und Randreparatur so wie das Lackbild herstellen (Probelacke herstellen)...

... 124 Arbeitsstunden.
Mit Recherche und pipapo waren es ca 200.

Grüßle
Tim

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