Stegreparatur

Reparaturtipps oder Bauberichte für Überholungen finden sich hier.
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glambfmbasdler
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Stegreparatur

Beitrag von glambfmbasdler » Di 24. Sep 2019, 10:28

Meine eigenwillige Bauweise der Kasha-Flamenca (s. viewtopic.php?f=14&t=169&start=170) hat ihren Tribut gefordert.
Das Aufleimen des Stegs war ja wegen der Entfernung Schallloch - Steg (30 cm) und Fehlens entsprechender Zwingen nur sehr vorsichtig möglich. Da ja die Decke auch relativ leicht gebaut ist, musste der Zwingendruck sehr fein dosiert werden.
Ergebnis: nach nunmehr vier Monaten hat es den Steg an der Hinterkante um ca 0,5 - 1 mm hochgezogen.

Vielleicht hätte er gehalten - vielleicht auch nicht. Ich hab mich für die Reparatur entschieden.

Steg ablösen.
Ich verwende dazu eine Spachtel,die mit Heißluft aufgeheizt wird und dann mit leichtem Druck so in die Leimfuge gedrückt wird, dass die Klinge die Decke hinter dem Steg möglichst nicht verbruzzelt.
P1070227.jpg
P1070229.jpg
Ich arbeite mich dabei von der Hinterkante langsam zur Vorderkante vor und lasse die Saiten dabei leicht auf Spannung, um ein Wiederankleben des Stegs zu verhindern.


Auf der Bass-Seite reißt ein Stück der Deckenoberfläche heraus
P1070230.jpg
und vor dem Steg wird noch ein Span von ca. 25 mm Breite und 30 mm Länge hochgezogen.
P1070231_LI.jpg
Reparaturschaden reparieren ;)
Den Span spreize ich mit einem Zahnstocher vorsichtig auf und lasse großzügig mittelviskosen Sekundenkleber reinlaufen. Dann wird der Zahnstocher gezogen, der Span mit einem Klötzchen vorsichtig angepresst und die ganze Aktion mit einem Sprühstoß CA-Aktivator abgeschlossen.

Nachdem der ausgetretene Kleber entfernt ist, siehts ganz passabel aus.
P1070233.jpg

glambfmbasdler
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Re: Stegreparatur

Beitrag von glambfmbasdler » Di 24. Sep 2019, 10:43

Leimfläche vorbereiten
Die Leimfläche mache ich mit Ziehklinge und Schleifleinen sauber.
P1070234.jpg
Die entstandenen Vertiefungen werden mit Holzspachtel aufgefüllt.
P1070249.jpg
Steg vorbereiten
Der alte Steg ist ziemlich mit Leimresten versifft und wird mit der Ziehklinge bearbeitet. Ich kriege die Unterseite einigermaßen gerade hin, werde ihn aber trotzdem nicht mehr verwenden, da an den dünnen Enden das Öl durchgedrungen ist.
P1070237.jpg
Also gibts einen neuen. Ein Stück Zwetschgenholz wird mit der Kreissäge grob vorbearbeitet.
P1070238.jpg
P1070239.jpg
P1070240.jpg

glambfmbasdler
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Re: Stegreparatur

Beitrag von glambfmbasdler » Di 24. Sep 2019, 10:45

Weiter gehts mit Stechbeitel und Ziehklinge.
P1070241.jpg
P1070242.jpg
P1070244.jpg
P1070245.jpg
P1070247.jpg

glambfmbasdler
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Re: Stegreparatur

Beitrag von glambfmbasdler » Di 24. Sep 2019, 10:59

Spezialwerkzeug
Um den risikobehafteten Drahtseilakt mit dem Feindosieren der Zwingen zu umgehen, fertige ich aus Bangkirai-Dielenresten und M8-Gewindebolzen eine Parallelzwinge mit ca. 300 mm Ausladung an.
P1070252.jpg
Am vorderen Ende dient eine drehbare (Lattenrost-) Leiste als Gegenlager für den Druck von oben.
P1070251.jpg
Zum Ausrichten nach dem Einführen durchs Schallloch habe ich mit Filzstift eine Markierung angebracht.
P1070253.jpg

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Re: Stegreparatur

Beitrag von Mobie Kaymony » Di 24. Sep 2019, 11:00

Boah! Holzspachtel unter dem Steg zu verwenden, ...dafür hätte ich keine Traute.

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Re: Stegreparatur

Beitrag von glambfmbasdler » Di 24. Sep 2019, 11:20

Steg verleimen

Den Steg habe ich ca 2mm länger und 1 mm breiter als den alten gemacht.
Er wird ausgerichtet und die (bei mir) üblichen Zahstocherdübellöcher werden gebohrt.
P1070254.jpg
P1070256.jpg
Probe
Man muss lediglich aufpassen, dass sich die Zwingenarme beim Anziehen nicht seitlich gegeneinander verschieben. Hält bombig.
P1070257.jpg
Die gespachtelte Leimfläche habe ich dann zwei Tage ruhen lassen.
Dann - Leim druff - Steg auflegen - Zwinge mit Verleimilfe ansetzen und zudrehen.

Nach einer Woche mit Saitenzug
Hält! Klar kann sich da noch was ändern - ich werde berichten.
P1070265.jpg
P1070266.jpg

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Re: Stegreparatur

Beitrag von glambfmbasdler » Di 24. Sep 2019, 11:39

Mobie Kaymony hat geschrieben:
Di 24. Sep 2019, 11:00
Boah! Holzspachtel unter dem Steg zu verwenden, ...dafür hätte ich keine Traute.
Ich war (bin) mir auch nicht soo sicher, aber - Versuch macht kluch! :)
Wie's im Fall der Fälle zu reparieren ist, weiß ich ja! ;) 8-)

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Re: Stegreparatur

Beitrag von Zederndehner » Di 24. Sep 2019, 12:40

Danke Eduard für den gut detaillierten Einblick ins Reparaturgeschehen. 8-)

Das ist gut durchdacht und wird sicher halten. Spachtel ist natürlich ne Erfahrung wert. Der Zweck heiligt die Mittel. :D

Grüßle
Tim

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Re: Stegreparatur

Beitrag von glambfmbasdler » Di 24. Sep 2019, 15:34

Ach ja - hab die Gitarre nach der Reparatur natürlich nochmal geschliffen und geölt, sonst sähe sie jetzt nicht ganz so sauber aus. :)

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