Airline/Supro Pocket Bass historische US-Gitarren und Bässe

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Mobie Kaymony
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Airline/Supro Pocket Bass historische US-Gitarren und Bässe

Beitrag von Mobie Kaymony » So 28. Okt 2018, 12:45

Der Ultra Shortscale Bass (XSS Bass)
Supro Pocket Pft.jpg
Vor einigen Jahren hatte ich schon die Idee verfolgt, einen Ultra Short Scale Bass zu entwickeln. Es sollte kein UBass mit Silicon-Saiten werden. Wie das aber so ist, es kam einiges dazwischen und die Idee geriet in die Altablage. Was ich nicht wusste, was ich mir aber hätte denken können, die Idee war ein alter Hut.

Ich hatte das Ziel vor Augen, einen gut klingenden Bass in der Gitarrenmensur 25.5“ zu entwickeln. Tatsächlich wurde schon Anfang der 60er dieser Plan in die Tat umgesetzt und sogar im kürzeren 24.75“ Scale!

Der „Airline Pocket Bass“

„Airline“ war einer der vielen Markennahmen, die in US-Handelsketten und Versandhäusern vertrieben wurden. Der Hersteller für dieses Modell war wohl „Valco“ eine Firma, die ihre Wurzeln bei „National Dobro“ hatte. Andere Handelsmarken des Herstellers waren u.a.; „Supro“, „National“ und „Res-O-Glas“. Auch in diesem Fall lässt „Eastwood“ die alten Modelle wieder auferstehen und produziert (ggf. optimierte oder verschlimmbesserte) Re-Issues.

Was war so ungewöhnlich am Pocket Bass?

Auf den ersten Blick die Größe, besser gesagt die geringe Größe. Sie entsprach knapp einen Les Paul und der Bass hatte auch die gleiche Mensur. Der Bass wurde sogar noch leichter gemacht, in dem man vom Rücken her Ausbohrungen fräste und diese, ganz simpel, mit einer Kunststoffplatte abdeckte. Offensichtlich war der Bass für den Anfängermarkt gedacht, ganz junge MusikerInnen sollten ihn ohne zu große Anstrengung spielen können.

Was allerdings aufhorchen lässt ist der Klang, der mit diesem Bass erreicht wurde. Offensichtlich gehörte ein Pocketbass zur Ausstattung in manchen Studios. Einige Studiomusiker behaupten er sei der ideale Studiobass für viele Stilrichtungen.

Neben der ultrakurzen Mensur spielen da die Tonabnehmer eine große Rolle, bzw. das Tonabnahme-System. Das war für damalige Verhältnisse innovativ und hatte gar nichts mit Anfängeransprüchen gemein. Hier wurde ein magnetischer Pickup (Humbucker?) am Hals verwendet, der den beliebten dumpfen Beat-Sound produzierte, jenes tiefe Grollen, das nur von Short Scale Bässen mit dem Neck-Pickup erreicht werden kann. Modernere Bassisten sagen: „Es mumpft!“ ich würde sagen: „Damit wird Bassfundament produziert.“

Die Elektronik ist spartanisch und bietet nur einen Lautstärkeregler und einen Balanceregler (Blender). Aber wozu der Blender?

In der Palisanderbrücke ist ein Piezotonabnehmer eingebaut. Ja, da war ich baff, Anfang der 60er Jahre schon! Dieser Piezo regelt dem Klang Nuancen zu, die, bei entsprechender Spielweise, sogar geslappte Kontrabass-Sounds möglich machen. Jedenfalls bekommt der grummelnde Humbucker durch den Piezo eine stark perkussive und höhenbetonte Note.
Pocket XSS Bass V1.0.JPG
Pocket Bass V1 Piezo 26.5.pdf
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Als Mangel könnte man die schwache Saitenspannung anführen, die ist wirklich schwammig. „Eastwood“ hat beim Re-Issue versucht, durch eine leichte Mensurverlängerung von 24.75 auf 26.5“, das Spielgefühl zu verbessern. Sicher können auch dickere Saiten helfen, man könnte die B-Saite eines Fünfsaiters auf E stimmen, die E Saite auf A usw.

Passende Saiten für dieses Instrument zu bekommen ist sicher nicht ganz einfach. Bei der Verwendung von Standardsaiten muss gekürzt werden.

Zitat: Ex-Bob Dylan sideman, Saturday Night Live bandleader and vintage guitar collector, G. E. Smith called the Pocket Bass "the BEST recording bass around." Zitat Ende

Auch hier wieder von mir angemerkt: Meine Herangehensweise an die Instrumente dieser Ära ist die eines Hobbygitarrenbauers, nicht die eines Vintage-Fetischisten 😉

In meiner Version, oben in der Zeichnung, habe ich zum Teil drastische Anpassungen vorgenommen. Der Halspickup ist ein "Höfner Toaster", dieser Tonabnehmer ist sehr flach, man braucht für ihn, wenn überhaupt, nur wenig fräsen. Da ich einen durchgehenden Hals bei diesem Modell bevorzugen würde. Den Hals habe ich etwas verbreitert, um möglichst dicke Saiten verwenden zu können.

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