Historische US-Gitarren und Bässe neben G und F

Vintage - bekannt und weniger bekannt
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Mobie Kaymony
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Historische US-Gitarren und Bässe neben G und F

Beitrag von Mobie Kaymony » Sa 13. Okt 2018, 09:53

Teil 1
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Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit Gitarrendesign aus der frühen Zeit der E-Gitarren und Bässe. Neben europäischen auch amerikanische oder erste japanisch Modelle. Viele der Hersteller sind mittlerweile vom Markt verschwunden und mit ihnen ihre Gitarren aus dem Handel.

Besonders haben es mir die Gitarren (Made in USA) aus den US-Kaufhäusern der 50er und 60er Jahre angetan, die in den 70ern endgültig von japanischen Modellen verdrängt wurden. Das hat nichts mit Vintage-Liebhaberei zu tun, sondern eher mit Respekt vor damaligen Ideen, Bauweisen und Designs. Ich gehe an dieses Thema aus der Sicht des DiY-Gitarrenbauers heran, nicht aus Sicht des Gitarrensammlers.
Silvertone.jpg
Es begann in den 40ern, als die ersten akustischen Gitarren mit Tonabnehmern ausgerüstet wurden und über Kataloge vertrieben wurden. Elektrisch verstärkt, mit den lauteren Blasinstrumenten mithalten zu können, war ein Grundbedürfnis der Gitarristen in den Big Bands oder Clubs. Aber auch der Nachwuchs auf dem Lande wollte Rock‘n’Roll. Meist vollakustische, später semiakustische Gitarren, bis zur Brettgitarre, alles war in Katalogen und Kaufhäusern verfügbar. Die Preise waren sehr oft deutlich günstiger als im Musikalienhandel, der in ländlichen Regionen ohnehin kaum verfügbar war. Trotzdem sollte man sich nicht täuschen, viele US-Modelle waren in Chicago oder an den Küsten handgefertigt und durchdacht geplant. Ich spreche hier von Herstellern wie Kay, Harmony, Danelectro oder National, sie produzierten für Kaufhausketten wie z.B. SEARS Roebuck & Co oder Montgomery Ward & Co, die die Landbevölkerung, mittels Versandhauskataloge, mit allem versorgten, was es sonst „In the Middle of Nowhere“ nicht gab.
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Die Hersteller mussten sich für die Massenware Konzepte einfallen lassen, die preiswert, stabil und rationell herstellbar waren. Made in USA war damals ein Gütesiegel, besonders für die Landbevölkerung. Die Instrumente erfüllten die Anforderungen und überdauerten, viel bespielt, die Jahrzehnte. Typische Handelsmarken der o.g. Hersteller waren Silvertone, Airline, Old Craftsman Supro usw. aber auch die Herstellernamen selber. Damals bekannte US-Musiker wie Roy Smeck oder Barney Kessel wurden für Signature Modelle gewonnen, obwohl man den Ausdruck damals noch gar nicht kannte. Viele dieser Hersteller und Marken existieren heute wieder, das sind neue Unternehmen, meist ohne echten Bezug zum Original. Sie produzieren wieder aus nostalgischen Gründen oder um vom Mojo des Namens zu profitieren. Junge Musiker stellen sich heute wieder mit Harmonys oder Supros auf die Bühne, teils mit Originalen, teils mit Reissues.

Durch Danelectro wurde ich auf alternative Bauweisen und Materialen aufmerksam. Dieser Hersteller baute ab den 50ern Instrumente aus simplen Holzrahmen, Hartfaserplatten (HDF bzw. Masonite) und minimalistischer Hardware, die bis heute Kultstatus besitzen. (Musiker: Jimmy Page, J.J. Cale, Ry Cooder)
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Dann habe ich mir die semiakustischen Bauweisen von Kay und Harmony angeschaut, da wurden zwei soliden Mittelstreben aus Hartholz in einem Korpus verbaut, der einer akustischen Gitarre gleichkam, nur kleiner. Sperrholz als Decke und Boden, sowie Furnierholz zur optischen Aufwertung. (Musiker: Jimmy Reed, Roy Smeck) Diese Modelle wurden durch die eingeleimten Mittelbalken so stabilisiert, dass auf die Archtop-Bauweise ganz verzichtet wurde. Die Gitarren konnten mit viel weniger Aufwand hergestellt werden, waren rückkopplungsärmer aber zum Üben im Zimmer leise aber immer noch laut genug, auch ohne Amp. Was Mom and Daddy erfreut haben dürfte.

Schöne Beschreibung dieser Bauart: http://chasingguitars.com/1950s-kay-thi ... r-project/
Bild
Bild aus o.g. Artikel, man sieht die Mittelbalken sehr schön, die Decke und Boden verbinden.

Der Siegeszug der Solid Body Guitar, fand dann in den 50ern auch in den Katalogen statt. Da gab es von Harmony schon Instrumente mit durchgehendem Hals, wie auch Modelle mit geschraubten Hälsen.
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Durch die hohe Verfügbarkeit elektrischer Instrumente im Katalogverkauf, konnten sich die Rock’n’Roll Bands überhaupt erst so flächendeckend ausbreiten. Junge Musiker gab es nicht nur in den Metropolen, sondern dann auch in den „One-Horse-Towns“ des Mittelwestens. Familien musizierten und die E-Gitarre wurde schnell als Country und Western Instrument der Weißen und als Blues Instrument der Schwarzen akzeptiert. Sie war kein neumodisches Teufelswerk mehr, sondern ebenfalls Bestandteil der amerikanischen Volksmusik.

Im Verlauf dieser Artikelserie werde ich einzelne Modelle vorstellen.

Hier stelle ich einige Links zu Fan Pages ein, dort kann man sich über die Vielfalt und die Skurrilität dieser Gitarren und Bässe informieren.

http://harmony.demont.net/

http://silvertoneworld.com/

http://www.myrareguitars.com/1960guitars.html

https://drowninginguitars.com/

http://www.cheesyguitars.com/

http://www.junkguitars.com/

Es existieren auch einige Facebook-Gruppen zu diesen Instrumenten.
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