Mutation oder Rekombination?

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Jitar
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Mutation oder Rekombination?

Beitrag von Jitar » So 1. Nov 2020, 21:04

Unter Rekombination versteht man in der Biologie die Neuanordnung (Re-) von genetischem Material (DNA, RNA) in den Zellen.
Durch Rekombination kommt es zu neuen Gen- und Merkmalskombinationen.
Die Rekombination macht es quasi unmöglich, das zwei identische Nachkommen gezeugt werden und ist somit maßgeblich für eine hohe genetische Variabilität.
Im Gegensatz zum Evolutionsfaktor Mutation, die neue Variationen schafft, sorgt die Rekombination nur für eine Andersverteilung des vorhandenden(!) genetischen Materials.
Viele der genutzten Früchte sind Ergebnisse erfolgreichen Klonens.
Hybridisieren = Entstehung von Nachkommen genetisch unterschiedlicher Eltern (Esel & Pferd)

Wie originel ist demnach eine Eigenbau-Gitarre?
:?:

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Re: Mutation oder Rekombination?

Beitrag von Zederndehner » Do 12. Nov 2020, 13:43

Hm, garnicht!

Denn nach Deiner Herleitung wäre ausschließlich der Prototyp einer auf den Markt gelegten Gitarre, DAS Original.

Alleine durch Herstellungstoleranzen (maschinentypisch) befände sich die Streuung von unterschiedlichen Markern auf einem Niveau, welches zu vergleichen wäre mit der Streuung von Homo Sapiens und Homo Erectus. (DNA - typisch)
Oder Mensch - Schimpanse.

Gehst Du dabei auch auf das Material (Holz) ein, oder eher auf Bauform/Bauart?

Grüßle
Tim

Jitar
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Re: Mutation oder Rekombination?

Beitrag von Jitar » So 15. Nov 2020, 18:44

Zederndehner hat geschrieben:
Do 12. Nov 2020, 13:43
Hm, garnicht!
Denn nach Deiner Herleitung wäre ausschließlich der Prototyp einer auf den Markt gelegten Gitarre, DAS Original. ............
Gehst Du dabei auch auf das Material (Holz) ein, oder eher auf Bauform/Bauart?
Grüßle
Tim
Hallo Tim,
Ich habe die Originalität nicht so streng gemeint. Ich habe mich nur gefragt, inwieweit Amateurgitarristen versuchen, sich in ihren Designs von professionellen Produkten zu unterscheiden (manchmal um jeden Preis). Mit dem Holz als Material oder Lackierungen, fange ich lieber gar nicht an, es wäre verdammt kompliziert.
Also nur in Bezug auf die Definition von Body/Kopfplatten-Formen und allen Spezifikationen, die in Millimetern, Neigungswinkelngraden und (Kilo-)Gramms gemessen werden können. Tonabnehmer nur in ihren Formen und Abmessungen, nicht ihre elektrische specs.
Grüßchen
Jan
P.S. Ich weiß, ich sollte lieber Gitarren bauen, statt ewig mit den Vermessungen zu belästigen ... ;)

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Re: Mutation oder Rekombination?

Beitrag von Zederndehner » Mo 16. Nov 2020, 11:52

Nein Quatsch, also ich für meinen Teil fühle mich nicht belästigt. ;)

Ich sags mal so, was könnte getan werden, um die Gitarre noch großartig „neu zu erfinden“.
Mathematisch ist sie durch alle möglichen Formen und Varianten, zu Ende entwickelt.
Gut, mehr Saiten, andere PUs, Lackvarianten etc pp. und natürlich dem näherkommen von Mojo. (Und/oder)

Aber ich denke auch, es ist eben vorrangig der Spaß an der Sache, das Interesse usw.

Wer weiß was noch kommt, lassen wir uns überraschen. 😎
Vielleicht noch exakt kalkulierbarer Holzersatz?
Oder vielleicht verschwindet die Egitarre über kurz oder lang vom Musikmarkt und wird zum antiken Liebhaberstück? (Laute/Krummhorn etc)
Wobei viele klassische Instrumente ja überdauert haben, wie Streichinstrumente zb.
Ob es der Egitte auch gelingt? Mal schauen, nech? 😉

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Re: Mutation oder Rekombination?

Beitrag von Mobie Kaymony » Mo 16. Nov 2020, 19:03

Fühle mich auch nicht belästigt ;)

Wer in das Thema "Gitarren selber designen" einsteigt, kann durch das Vermessen und Verstehen viel lernen und wenn es nur die Erkenntnis ist, dass die Gitarre "mathematisch nahezu zu Ende entwickelt ist". Seit dem ich das erkannt habe gehe ich mit Gitarrenformen viel entspannter um. Von bizarren Formen abgesehen, sind es nur Nuancen, die von den bekannten "Axial Structures" abweichen. Man kann damit etwas spielen und für sich ansprechend variieren aber dann ist auch irgendwie gut so. Grundsätzliche, ergonomische Fehler zu vermeiden bleibt aber ein wichtiger Punkt für mich, darum ist mir das Verstehen der Formen so wichtig.

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Re: Mutation oder Rekombination?

Beitrag von monk » Mo 16. Nov 2020, 21:50

Seh ich in formaler Hinsicht ähnlich.
Die letzte grundsätzliche Designänderung oder 'Erweiterung des Vorlagenkastens' war mmn vor ca. 40 Jahren die Köpfung, also die Entwicklung von Headless-Instrumenten. Das war wirklich neu.
Die anderen Geschichten wie mehr Saiten, andere Mensuren, Fächerbünde, andere Materialien, modernere Pickups und Hardware, usw. sehe ich eher als funktionale Weiterentwicklungen, die ich durch sich verändernde Spielweisen, Soundvorstellungen, usw. und auch durch veränderte Herstellungsweisen ausgelöst sehe. Da wird die Entwicklung weitergehen.
Trotzdem hab ich Spaß dran Instrumente zu basteln, die formal sicherlich existierende Formen variieren und technisch oldschool, aber doch im Ergebnis eigen sind.

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Re: Mutation oder Rekombination?

Beitrag von Zederndehner » Mi 18. Nov 2020, 13:42

Ja, bestes Beispiel in meinem Fall, wäre wohl meine Nukemaster.
Da ist abgesehen von Head und sechs gespannten Saiten so ziemlich vielst möglich anders (als Standard).

- Radiusbundierung
- Radius gewickelte PU
- zwei völlig mir unbekannte und bisher niemals eingesetzte Mensuren
- Lackkombi
- Form Body/Shaping
- Konterspule mit differenzierter Windungszahl
- Holzkombi (deutsche Esche/Apfel/Bambus)

Trotzdem steht sie bei mir zuhause im Ständer und jeder neue Gast bemerkt: „Wer spielt bei Euch Gitarre?“ 😅👍

Nuja, für mich wars ein Experiment. Ein erfülltes. Denn der Planungs/Versuchs und Bauprozess hat irre viel Spaß gemacht.
Soviel das ich ein „Schwester - Instrument“ bauen wollte.
Im Moment geht das aber nicht und daran wird sich auch länger erstmal nix ändern. Leider 🥺

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Re: Mutation oder Rekombination?

Beitrag von Trollo » Fr 20. Nov 2020, 21:57

Wenn's um Hybridgitarrendesign geht, kann ich eine kleine Anekdote beitragen.
In den 70ern gab's die Fender Strat und die Gibson Les Paul.
(Ja, es gab auch noch ganz viele andere, aber das ist für meine Diskussion nicht zielführend ;-) )
Jeder Gitarrist hat sich für eine davon entschieden.
Dann kam tatsächlich Ibanez auf die Idee: Hey, lass uns doch das beste von beidem nehmen und eine Gitarre daraus bauen.
Heraus gekommen ist die Ibanez CN, oder für den Billigersektor die Cimar CN.
Insbesondere die Cimar CN finde ich - persönlich - eines der besten Gitarrendesigns überhaupt.
(Der Toggle Switch muss halt oben sein.)
Jetz' kommt's: Als die CN Ende der 70er auf den Markt kam, hat die so gut wie keiner kaufen wollen.
Weil jeder, der eher Strat spielen wollte, hat sich eine Strat gekauft, und jeder, der eher Les Paul spielen wollte, hat sich eine Les Paul gekauft.
In der Folge ist das CN-Modell Anfang der 80er wieder aus dem Ibanez-Programm verschwunden.
DANN kam ein gewisser Paul Reed Smith ca. 1985 daher und baute einen Gitarrenhybriden aus Strat und Les Paul.
Wie groß und reich PRS heute ist, braucht man wohl nicht extra erwähnen. ;-)
Was will ich damit sagen? Ibanez war damals der Zeit leider ein paar Jahre voraus...
Was will ich noch damit sagen?
Eine E-Gitarre mit zwei Humbuckern, Toggle oben, Double Cutaway, TOM-Bridge und gewölbter Decke ist - für mich persönlich - das Maß aller Dinge.
Der Witz ist: Andere Gitarristen sehen das völlig anders. :D

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