Kleine Leimkunde

Was ist ein Knochenleim und reicht auch Weißleim?
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Zederndehner
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Kleine Leimkunde

Beitrag von Zederndehner » Fr 25. Jan 2019, 16:17

Leime und Ihr Einsatz


Leime und ihr Einsatzzweck ist vielleicht eines der zentralen Themen, im Instrumentenbau.
Was es für Leimarten gibt und wo sie Verwendung finden können, soll hier einmal erklärt werden. Hierfür stellen wir die wichtigsten Sorten einmal vor.


Glutinleime


Leime welche auf Proteinverbindungen ruhen, sind wohl die ältesten bekannten Leime. Schon im frühen Geigenbau fanden diese aus tierischen Bestandteilen gewonnenen Leime ihre Anwendung. Und damals erstellte Verbindungen überdauerten teils bis heute.
Meist wird dieser Leim in der Form von:
-Knochenleim
-Hautleim
-Fischleim
-Hausenblasenleim
angeboten.
Sehr hochwertige Streichinstrumente dürfen aufgrund des Werterhaltes, ausschließlich mit Glutinleim reparariert/restauriert werden.
Diese Leimsorten werden zumeist als "Trocken" im Handel angeboten und müssen vor der Verwendung aufgelöst und erwärmt werden, weswegen man hier auch teilweise von "Heißleim" spricht.
Der Vorteil dieser Leime ist die Eigenschaft sie wieder "öffnen" zu können. Das bedeutet, Leimfugen können entweder mittels "wässern" oder dem Ausschneiden wieder gelöst werden. Das macht besonders Streichinstrumente extrem reparaturfreundlich.
Ein weiterer Vorteil ist Ihre Eigenschaft der "Selbstverpressung". Das bedeutet, durch das Aushärten in Verbindung des Auskühlens zieht der Leim die Leimpartner unter hohem Zug zueinander. Das ist ein immenser Vorteil bei Hals/Korpusverbindungen hinsichtlich der Schwingungsbrücke.
Diese Leime sind im Gegensatz zu Weißleim auch nicht wasserabweisend, was sich beim Beizen mit Wasserbeize auch wieder als Vorteil zeigen kann.
Glutenleime härten "glashart" aus und sind somit extrem stabil was Verformung oder Dauerbelastung betrifft.
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1.jpg
Knochenleim mit Pferdehaarpinsel
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Dispersionsleim (Weißleim)


Weißleime kennt man aus dem Baumarkt. Aus Packungsbeilagen von Möbelhäuserprodukten etc. Auch für den Instrumentenbau gibt es recht spezielle Leime dieser Art.
Diese Leime werden aus PVAC (PolyVinylAcetatleim) gewonnen/gemischt. Es gibt sie in verschiedensten Qualitäten.
Definiert werden sie über Aushärtezeit, Presszeit, Wasserfestigkeit oder der Umweltbedingungen.
Diese Leime haben die Eigenschaft gegenüber den Glutenleimen, nicht "glashart" auszuhärten. Das bedeutet, sie bleiben immer zu einem gewissen Prozentsatz elastisch.
Bei der einen oder anderen Verbindung kann dies zu einem langfristigen Veränderung der Leimstelle führen.


Epoxidleim (Harz)


Epoxidharzleime bestehen zumeist aus zwei zu mischenden Komponenten. Diese werden nach Herstellerangabe zueinander gemischt. Sie bestehen aus Harz und Härter.
Diese Leime kommen immer da zum Einsatz, wo ein Verpressen nicht möglich ist oder wenn es sich um eine günstige und schnelle Reparatur handelt.
Auch ist Epoxyd für verschiedenste Materialien geeignet. Wer also viele verschiedene Stoffe miteinander dauerhaft und fest verleimen möchte ist mit Zweikomponentenharzen gut beraten. Allerdings sind diese Leimungen nicht reversibel. Das bedeutet, einmal geleimt - dann für immer.


Cyanacrylat (Sekundenkleber)


Sekundenkleber kann im Instrumentenbau vielseitig Anwendung finden. Zum Beispiel beim Verschließen kleiner Risse oder Haltenähte für Bindings.
Auch können Griffbrettmulden mittels einem Gemisch aus Schleifstaub und Sekundenkleber gut verschlossen werden.
Tendentiell kommt Sekundenkleber immer dann zum Einsatz wenn es sehr fest, nicht mehr lösbar und schnell gehen soll.
Im tratitionellen Instrumentenbau findet man ihn kaum.


Titebond™


Diesen Leim erwähnen wir unter seinem Markennamen. Das hat den Hintergrund das Titebond™ der beliebteste Leim unter den E-instrumentenbauern ist.
Dieses Prätikat hat der Leim seinen Eigenschaften zu verdanken. Er ist kein klassischer Weißleim aber auch kein Epoxyd. In der Gruppe der Polyurethane wiederfindent, sind seine Eigenschaften von einer mittleren Presszeit über eine hohe Festigkeit in der Leimfuge.
Zwar liegt dieser Leim immer noch zwischen Glutin- und Weißleim in seiner Härtestufe, ist aber fest genug für gute Schwingungsbrücken und hohe Stabilität in Konstruktionsverbindungen.
Auch gibt es von Titebond™ Leime für verschiedenste Einsatzgebiete.

...wird fortgesetzt...

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